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Mit Tele-Grafen von Station 11 zur Station 14 [2015]

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Mit Tele-Grafen von Station 11 zur Station 14

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„Radfahrer lieben es, neue Wege zu erkunden und unerwartete Eindrücke zu gewinnen. Der Telegraphenradweg ist ein verbindendes Band und ein neues Angebot für Entdeckerfreunde“, heißt es im sehr informativen Faltblatt über die optische Telegraphenlinie Berlin-Koblenz.

Anfangsstation für die Magdeburger Radler war der Hauptbahnhof. Mit dem RE 18111 reisten diese entspannt bis zur Bahnstation Güsen, radelten unter Leitung des erfahrenen ADFC-Tourenleiters Klaus Schmeißer anschließend über Hohenseeden nach Rietzel am Telegraphenradweg. Auf glattem Asphalt erreichten 16 Pedalritter anschließend Ziegelsdorf mit Drahteselrastplatz an Station Nr. 11 der königlich-preußischen Telegraphenlinie.

Nun wurde es hochinteressant!

Mitglieder der IG „Optische Telegraphie in Preußen“ aus dem Jerichower Land, auch Tele-Grafen genannt, erläuterten am nachgebildeten Signalmast, wie zwischen 1832 und 1849 Nachrichten mittels optischer Signale übermittelt wurden. Bei gutem Wetter war eine Depesche mit 30 Worten etwa 90 Minuten unterwegs. Zum Vergleich: Reitende Boten benötigten drei bis vier Tage. Nachdem die Tele-Grafen den Radlern den geheimen Code für „Magdeburg“ – A4.2, B4.1, C4.1 – verraten hatten, konnten diese die sechs einzeln beweglichen Flügel problemlos in die richtige Stellung bringen und fertig war das quasi geflügelte Wort „Magdeburg“. (siehe Foto) Eine Anzeige wegen Landesverrats ist nicht zu befürchten, denn die Zeit der preußischen Könige ist längst vorbei. Apropos Zeit: Alle drei Tage wurde um 12.00 Uhr ein Uhrenvergleich, eine Art „Zeitzeichen“, durchgegeben, das in knapp einer Minute Koblenz erreichte. 60 Sekunden für 62 Stationen – unvorstellbar! Auch Magdeburger stellten ihre Uhren nach der „Berliner Zeit“, nutzten dabei den Telegraphen Nr. 14 auf der Johanniskirche.

P1020875Und weiter ging’s auf dem Telegraphenradweg – über Grabow nach Burg, in die „Stadt der Türme“, mit einem Halt am Elternhaus des preußischen Generals und Militärphilosophen Carl von Clausewitz. Kurz nach der Mittagsrast in Schermen ein Zwischenstopp an der spätromanischen Feldsteinkirche, um den dahinter stehenden über 250jährigen Maulbeerbaum zu besichtigen. Anschließend wurde der Kapaunenberg mit der Station Nr. 12 erstürmt. Schermen wirbt an dieser Stelle mit Dom- und Brockenblick. Nun gut, der Brocken zeigt sich nur sehr selten, aber Dom, Johanniskirche und das Hochhaus in der Jakobstraße waren mit bloßem Auge zu erkennen. Vor 14 Monaten wurde der adrette Stationspavillon eingeweiht, in dem auf Tafeln über die soziale Stellung der Telegraphisten informiert wird. Der Job wurde offensichtlich gut bezahlt, weshalb der Volksmund die Beamten damals „Tele-Grafen“ nannte. (siehe Gruppenfoto am Stationsschild Nr. 12)

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Die folgende Station, es ist die Nr. 13, befindet sich in Biederitz auf dem Telegraphenberg in der heutigen Willi-Obermüller-Straße und ist wenig spektakulär. Der einst zweistöckige Feldsteinbau wurde in den 1950er Jahren zu einem Anbau eines Wohnhauses. Nur sehr wenig erinnert heute an die einstige Nutzung.

Endstation der ADFC-Tour war die Johanniskirche mit der Stationsnummer 14. Anzumerken ist, dass sich die Signalanlage nicht auf einem der beiden Türme befand, sondern am östlichen Ende des Kirchenschiffes. Die Radfreunde nutzten die Gelegenheit, um vom Südturm schon einmal einen Blick voraus zu werfen, in Richtung Fuchsberg bei Hohendodeleben, der Station Nr. 15.
Das Fazit aller Teilnehmer lautete: Der Telegraphenradweg ist in der Tat ein neuer Weg, der viele unerwartete Eindrücke bietet.

Es ist bemerkenswert, wie viele Fakten die Tele-Grafen, teils mühsam recherchiert, gesammelt haben. Auf www.optischertelegraph4.de kann sich jeder Interessierte davon überzeugen.

Fortsetzung folgt! ADFC-Radtour am 27.08.16, dann von Station 17 bis 21 – siehe Rubrik „ADFC-Radtouren“

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